Großes Interesse in Brüssel: MLU präsentiert Strukturwandel-Projekte

„Sachsen-Anhalt ist entscheidend für unsere europäische Unabhängigkeit. Wir brauchen Sie hier bei uns in Europa“, sagte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrem Grußwort beim Sommerfest der Landesvertretung Sachsen-Anhalt bei der Europäischen Union in Brüssel. Das Fest zählt zu den wichtigsten Netzwerkveranstaltungen des Landes in Brüssel. In diesem Jahr fand es unter dem Motto „Die Stadt Halle (Saale) trifft Europa – an der Schnittstelle der digitalen Transformation von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“ statt. Die Stadt war diesmal Veranstaltungspartnerin des Sommerfests.
Am Beispiel Halles hob von der Leyen die historische Bedeutung Sachsen-Anhalts hervor: Im Mittelalter sei Halle Knotenpunkt des europäischen Salzhandels gewesen, später ein Zentrum der Aufklärung. Heute sei Halle ein Innovationsstandort für Biotechnologie, Medizinprodukte, künstliche Intelligenz und Digitalisierung, sagte die Politikerin und spannte damit den Bogen zu ausgewählten innovativen Projekten aus Halle, die sich im Anschluss den zahlreichen Gästen vorstellten. Neben der MLU waren etwa die Stadt mit dem „Smart City“-Projekt und ein Team des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation vertreten.
Viel Andrang gab es am Stand der MLU, an dem die drei großen Strukturwandelvorhaben der Universität konkrete Projekte und ihre Arbeit insgesamt vorstellten. Aus Sachsen-Anhalt informierten sich Ministerpräsident Sven Schulze, Europaminister Rainer Robra, Justizministerin Franziska Weidinger und Halles Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt über die Arbeit der Strukturwandelprojekte.
Neu kreierte Kekse und Kaffee aus Kichererbsen präsentierte der Verbund „DiP Sachsen-Anhalt – Modellregion der Bioökonomie“. Die Kichererbsen sowie weitere klimafeste Kulturpflanzen werden im Rahmen des DiP-Projekts „SuSaKlim“ auf einem Versuchsfeld der MLU angebaut; im FoodLab der Universität entwickeln Forschende in Kooperation mit regionalen Partnern neue Produkte, die gesundheitsförderlich sind und gut schmecken.
Ziel des DiP-Verbundes ist es, im südlichen Sachsen-Anhalt eine Modellregion für eine digitalisierte, klimaneutrale und wettbewerbsfähige pflanzenbasierte Bioökonomie zu etablieren. Geleitet wird er von der MLU. In den 19 Forschungsprojekten mit mehr als 50 Partnern entstehen praxisnahe Lösungen für klimaresiliente Landwirtschaft, neue biobasierte Produkte und eine grüne Chemie. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung nachhaltiger, digital unterstützter pflanzlicher Wertschöpfungsketten. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt den Verbund in zwei Förderrunden mit bis zu 105 Millionen Euro.
Um innovative Technik ging es beim „Just Transition Center“, bei dem die Gäste einen tragbaren 3D-Scanner ausprobieren konnten. Dieser ist Teil eines Projekts zu „Open Source-Hardware“. Damit gemeint sind Geräte, deren Bau- und Schaltpläne und weitere Informationen öffentlich zugänglich sind. Darüber hinaus informierte das Team über ein Projekt zur Bodenregeneration in ehemaligen Bergbaugebieten.
Am JTC arbeiten 17 Innovationsteams, die forschungsbasierte Lösungen für den Strukturwandel in Sachsen-Anhalt entwickeln. Die Ergebnisse sollen möglichst schnell in die Praxis überführt werden, zum Beispiel durch Ausgründungen oder Kooperationsprojekte mit regionalen Partnern. Die Themen reichen von sozialwissenschaftlicher Transformationsforschung über nachhaltige Werkstoffe und Technologien bis hin zu juristischen Fragestellungen und zur Bildung zur Nachhaltigkeit. Zusätzlich treiben vier Revierscouts des JTC in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis und Saalekreis die Vernetzung mit Region und Industrie voran. Das JTC wird mit rund 21,5 Millionen Euro im Rahmen des „Just Transition Fund“ – Fonds für einen gerechten Übergang – der Europäischen Union gefördert.
Wie Pflege und Gesundheitsversorgung in Zukunft von moderner Technologie profitieren können, zeigte ein Team der „Innovationsregion für die digitale Transformation von Pflege und Gesundheitsversorgung“ (TPG). Präsentiert wurde der mobile Laufroboter „Spot“, der Personen beim Spaziergang begleiten und Stürze erkennen kann. Gezeigt wurde auch eine Drohne, die künftig bei der Lieferung von Medikamenten, speziell im ländlichen Raum, zum Einsatz kommen könnte.
Die TPG stellt sich den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Gefördert werden gezielt Forschungs- und Entwicklungsprojekte, welche die Gesundheitsversorgung und den Autonomieerhalt Pflegebedürftiger verbessern und digitale Werkzeuge nutzen. Im südlichen Sachsen-Anhalt soll eine Innovationsregion für Digitalisierung in der Pflege entwickelt und „Digital Health“, also der Einsatz digitaler Technologien in vielfältigen Bereichen des Gesundheitswesens, als Wirtschaftszweig etabliert werden. Mehr als 200 Partner sind in das Innovationsnetzwerk eingebunden, das an der Medizinischen Fakultät der MLU koordiniert wird. Das BMFTR stellt für den Verbund bis 2033 jährlich bis zu 20 Millionen Euro bereit.
Die MLU als Akteurin im Strukturwandel
Die Martin-Luther-Universität versteht sich als aktive Gestalterin des Strukturwandels im Mitteldeutschen Braunkohlerevier. Als Zentrum der Transformationsforschung in Sachsen-Anhalt bringt sie ihre Kompetenzen gezielt in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungsprozesse ein.
Weitere Informationen zum Engagement der MLU beim Strukturwandel und den Strukturwandelprojekten unter: https://www.uni-halle.de/strukturwandel/





