Studierende gestalten immersives Konzert mit der Staatskapelle Halle

01.10.2026 von Susann Trapp in Campus, Studium und Lehre
Wie lässt sich das klassische Konzert neu denken? Im StudiLab der Musikwissenschaft der MLU haben Studierende eigene Konzertformate entwickelt. Eines davon wird am 15. Oktober mit der Staatskapelle Halle im Volkspark umgesetzt: „Aurora Borealis“ verbindet Musik, Licht und Kunst zu einem immersiven Konzerterlebnis über das Wunder der Polarlichter.
Die Skizze zeigt einen ersten Entwurf für die räumliche Gestaltung des Konzerts „Aurora Borealis“. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Polarlichter.
Die Skizze zeigt einen ersten Entwurf für die räumliche Gestaltung des Konzerts „Aurora Borealis“. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Polarlichter. (Foto: Marlena Lengert)

Ein Konzert ohne feste Plätze: Das Publikum soll sich frei im Raum bewegen, die Musik aus unterschiedlichen Perspektiven erleben und immer wieder nach oben blicken. So sieht es das Konzept für „Aurora Borealis – Eine musikalische Reise in die wundersame Welt der Polarlichter“ vor. Die Musik wird von einer Lichtinstallation begleitet, die den Weg von der nördlichen Landschaft bis zum Erscheinen der Polarlichter nachzeichnet.

„Aurora Borealis“ entstand im StudiLab der Musikwissenschaft der MLU, einem Lehrprojekt, in dem Studierende eigene Konzertformate konzipierten. Das Projektseminar stand im Wintersemester 2025/26 unter dem Thema „Wunder!“ und wurde von den Musikwissenschaftler*innen Dr. Anna Schaefer und Pascal Schiemann geleitet. Beteiligt waren Studierende der Musikwissenschaft, der Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Studierende des Lehramts Musik. Gemeinsam mit der Staatskapelle Halle arbeiteten sie von der ersten Idee bis zur öffentlichen Präsentation an ihren Konzepten.

Waren am Projekt beteiligt (v.l.): Dr. Anna Schaefer, Maria Augsten, Sinja Tetzlaff
Waren am Projekt beteiligt (v.l.): Dr. Anna Schaefer, Maria Augsten, Sinja Tetzlaff (Foto: Susann Trapp)

„Am Anfang stand die Aufgabe: Erzeugt mal ein Wunder!“, so Schaefer. Was genau ein Wunder sein könne, ließ die gestellte Aufgabe bewusst offen. Studentin Maria Augsten sagt: „Das StudiLab war ein Raum, wo wir explizit experimentierfreudig sein sollten und auch die Grenzen austesten konnten, was man mit der Musik oder um die Musik herum verändern kann.“

Dabei ging es nicht nur um musikalische Fragen. In mehreren Workshops erhielten die Studierenden Einblicke in die verschiedenen Bereiche, die bei der Planung eines Konzerts zusammenspielen: Konzertdramaturgie, Musikvermittlung, Marketing, Raumgestaltung und Orchestermanagement. Sie beschäftigten sich etwa damit, welche Musik sich mit einer bestimmten Orchesterbesetzung umsetzen lässt, wie Raum und Licht die Wahrnehmung beeinflussen oder wie ein neues Konzertformat sein Publikum erreicht.

Am Ende des Semesters stellten vier Gruppen ihre Konzepte im Schaufenster des neuen theaters in der halleschen Innenstadt öffentlich vor. Das Themenspektrum reichte von „Im Echo der Götter“ über „Was ein Wunder, dass wir uns getroffen haben“ und „Kosmische Klangreise“ bis hin zu „Aurora Borealis“. Mehr als 70 Menschen kamen zur Präsentation. „Es war wirklich schön zu sehen, dass Menschen aus der ganzen Stadtgesellschaft daran interessiert waren“, sagt Schaefer. Jury und Publikum entschieden gemeinsam über das Gewinnerkonzept: „Aurora Borealis“ setzte sich durch.

Das Konzept für die Polarlichter entwickelten Maria Augsten, Marlena Lengert, Luca Mayer, Vinh Nguyen und Sinja Tetzlaff. Die Idee entstand früh im Entwicklungsprozess: „Sie sind ein wunderliches Ereignis, das sich viele nicht erklären können. Damals konnten wir sogar Polarlichter in Deutschland beobachten“, sagt Tetzlaff.

Für die musikalische Umsetzung hörten die Studierenden zahlreiche Stücke skandinavischer und insbesondere finnischer Komponisten und prüften, welche davon zur geplanten Dramaturgie und zur Orchesterbesetzung passten. Auch für die Darstellung der Polarlichter mit Licht musste eine eigene Lösung gefunden werden: „Für uns war schnell klar, dass es nicht reichen würde, das Naturphänomen einfach auf eine Leinwand zu projizieren“, so Augsten. Tetzlaff ergänzt: „Unsere Idee war es, eine Reise zu gestalten, auf der das Publikum miterleben kann, wie Polarlichter entstehen.“

Im Sommersemester 2026 wurde das Konzept gemeinsam mit der Staatskapelle finalisiert und für die Aufführung vorbereitet. Dabei prüften die Studierenden etwa, welche ihrer musikalischen und räumlichen Ideen sich unter den Bedingungen der realen Konzertproduktion im Volkspark umsetzen lassen. Dabei war auch die visuelle Gestaltung ein wichtiger Teil des Konzepts. Dafür arbeitete das StudiLab mit der Schmuckklasse von Professorin Yuka Oyama an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zusammen. Die Studierenden entwarfen große, von der Decke hängende Mobiles, die in das Konzertbild integriert werden. 

„Am schönsten finde ich, dass ich den ganzen Prozess von der ersten Idee bis zur Aufführung mitgestalten konnte. In der Musikwissenschaft, die an der Universität eher als theoretisches Fach wahrgenommen wird, bietet sich so die Möglichkeit, praktisch und berufsnah zu arbeiten“, sagt Augsten.

Für seinen besonderen Praxisbezug wurde das StudiLab in diesem Jahr auch mit dem Lehrpreis der MLU ausgezeichnet. Für Schaefer würdigt der Preis auch die Arbeit, die die Studierenden über Monate in ihre Projekte gesteckt haben: „Pascal Schiemann und ich waren so stolz auf alle Studierenden und auch auf uns als Gruppe, dass am Ende des Semesters so was Schönes entstanden ist.“


*** 

Weitere Einblicke in das StudiLab und die Entstehung der Konzertkonzepte bietet der Blog des StudiLabs.

Aufführung von „Aurora Borealis“

Donnerstag, 15. Oktober 2026, 19.30 Uhr
Volkspark Halle
Schleifweg 8a, 06114 Halle (Saale)

Tickets für die Aufführung sind über die Bühnen Halle erhältlich. Für Studierende, insbesondere Erstsemester, stellt das Prorektorat für Studium und Lehre 100 Freikarten zur Verfügung. Dafür können sich Studierende bis Freitag, 9. Oktober, 12 Uhr, über eine StudIP-Veranstaltung einschreiben.

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