„Ich bewundere ihren Mut und ihre Offenheit“

30.05.2022 von Katrin Löwe in Personalia, Campus, Internationales
Sie hat selbst schon mehrere Jahre in Namibia und England gelebt und gearbeitet, jetzt widmet sie sich internationalen Studienbewerberinnen und -bewerbern: Seit einem guten halben Jahr ist Dr. Katrin Krüger Leiterin des Landesstudienkollegs Halle. Mit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg hat sie gleich zu Beginn zwei prägende Herausforderungen.
Katrin Krüger, die neue Leiterin des Landesstudienkollegs Halle, unterrichtet auch selbst.
Katrin Krüger, die neue Leiterin des Landesstudienkollegs Halle, unterrichtet auch selbst. (Foto: Markus Scholz)

Wer Dr. Katrin Krüger nach der Zukunft des Landesstudienkollegs fragt, hört zunächst den folgenden Satz: „Wir sind mutig.“ Ihr schweben zusätzliche Zielgruppen für Halle als propädeutisches, auf das Studium vorbereitendes Zentrum vor. Eines ihrer Herzensprojekte etwa ist, sich stärker mit den Fakultäten der Universität zu vernetzen und auch eine Studienvorbereitung für Ausländer anzubieten, die aufgrund ihrer Herkunft und ihres Abschlusses im Heimatland nicht ans Kolleg müssen, sondern direkt ins Studium starten können. Ein kurzes Orientierungsstudium stellt sie sich vor, etwas, was die Abbrecherquote senken könnte – das hält sie selbst für deutsche Abiturientinnen und Abiturienten für denkbar, die sich ein besseres Bild von Studienmöglichkeiten und -richtungen machen wollen. „Es gibt viele Ideen“, sagt die 57-Jährige jedenfalls. Allerdings werden sie wohl etwas warten müssen. Derzeit sei das Studienkolleg noch darin gefangen, auf Situationen zu reagieren, die die Corona-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine mit sich bringen, sagt Katrin Krüger. Das hat ihr auch den Start als Leiterin am Landesstudienkolleg Halle schwieriger gemacht als gedacht. Seit September 2021 steht sie der Einrichtung vor.

Es ist eine Personalie, die beim Blick auf ihre Biografie wenig überraschend wirkt. Die gebürtige Salzwedelerin hat in Leipzig Germanistik studiert, wurde dort in Literaturwissenschaft promoviert und hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität gearbeitet. Nach der friedlichen Revolution habe sie die Chance genutzt, die es zuvor für sie nicht gab, sagt sie: ins Ausland zu gehen. Als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) arbeitete Krüger für zwei Jahre an der Universität in Newcastle in Nordengland. Nach einer Zwischenstation bei interDaF in Leipzig, einem Institut für Sprachkurse Deutsch als Fremdsprache, war sie bis 2004 fünf Jahre in Namibia, ebenfalls als DAAD-Lektorin. Unterricht von Deutsch als Fremdsprache, die Studienberatung für ausländische Studierende oder die Stipendienberatung: Diesen Arbeitsbereichen ist sie auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland treu geblieben, ob direkt beim DAAD in Bonn, in ihrer Arbeit für das TestDaF-Institut, das Sprach- und Studierfähigkeitstests für Ausländer entwickelt – oder in den zehn Jahren am Studienkolleg der Technischen Universität Berlin, dessen stellvertretende Leiterin sie zuletzt war.

„Ich bin in die Arbeit reingewachsen, wollte aber gern noch ein Studienkolleg leiten“, sagt Krüger. Diese Chance bot sich in Halle. Hier habe sie ein „sehr gut bestelltes Feld“ vorgefunden, mit neuen Räumlichkeiten, moderner Unterrichtstechnik, einer direkten Anbindung an die Hochschulleitung über das Prorektorat für Studium und Lehre – und einem „tollen Team“, wie Krüger betont. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der überwiegende Teil Honorarkräfte, arbeiten am Studienkolleg. 250 bis 300 Kollegiatinnen und Kollegiaten werden hier in Sprach- und in Fachkursen auf ein Studium in Deutschland vorbereitet. „Das sind hochmotivierte junge Leute, die wissen, wo sie hinwollen“, so die Kolleg-Leiterin. Schon deshalb mache die Arbeit mit ihnen Spaß. Und: „Ich bewundere ihren Mut und ihre Offenheit.“ Ihr selbst helfe im Job vor allem eine wertvolle Erfahrung aus der eigenen Biografie: sich selbst im Ausland zurechtfinden zu müssen. Aber auch andere Bildungstraditionen kennenzulernen.

Aus 30 bis 40 Ländern stammen die Studierenden am Studienkolleg, viele aus Vietnam, der Ukraine, Russland und angrenzenden GUS-Staaten, aber auch aus dem Iran und Ländern in Afrika oder Lateinamerika. Corona war und ist für sie aus mehreren Gründen eine besondere Herausforderung: Das Studienkolleg, erklärt Krüger, arbeite ähnlich wie Schule, mit festem Stundenplan, festen Klassen und Kontakt-Unterricht. Bis die Pandemie samt Lockdowns kam. Digitale Lernplattformen wie ILIAS waren bis dahin kaum genutzt am Kolleg. Außerdem: „Wenn man sich überlegt, da kommen zum Teil 17-Jährige in ein fremdes Land, sitzen aber nur noch im Wohnheimzimmer und machen Online-Unterricht, haben Kontaktbeschränkungen, zum Teil Ausgangssperren. Das war psychisch ein großes Problem.“ Parallel zu den Schulen sei das Kolleg deshalb mit allen nötigen Hygiene-Vorkehrungen früher in hybride Formate und Präsenz zurückgekehrt als die Universität. „Die Leute müssen auch fertig werden, das hat aufenthaltsrechtliche Hintergründe.“

Dann kam der Ukraine-Krieg „und uns war sehr schnell klar, dass da etwas auf uns zukommt“, so Krüger. Derzeit gebe es eine hohe Nachfrage nach Sprachkursen, weil viele Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland kommen, die vorher hier kein Studium geplant und dementsprechend noch kein Deutsch gelernt hatten. Anfang Mai ist ein erster Sprachkurs für 25 Geflüchtete gestartet. Damit sei es aber nicht getan, weil Interessenten aus der Ukraine grundsätzlich auch die Studienvorbereitung in Fachkursen absolvieren müssen. 20 zusätzliche Studierende seien dafür für das kommende Wintersemester bereits aufgenommen worden. Wie viele noch kommen, kann Krüger derzeit nicht sagen. Sicher sei aber: „Wir brauchen Mittel, um für die zusätzlichen Fachkurse Lehrerinnen und Lehrer anwerben zu können.“ Und ein Gefühl für den Umgang mit den Geflüchteten, denen die Sorge um ihre Heimat oder ihre Angehörigen zum Teil anzusehen ist. Wie viel wollen sie erzählen, wie weit kann und sollte man nachbohren? „Das ist eine Gratwanderung. Aber wir sind als Ansprechpartner da und sensibilisiert“, sagt Krüger.

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