Science Slam in Halle: Mit Leidenschaft für Forschung

05.05.2026 von Katrin Löwe in Campus, Wissenschaft, Wissenstransfer
Zur Langen Nacht der Wissenschaften am 3. Juli wird die Biotechnologin und „Terra Xplore“-Moderatorin Lisa Budzinski das Bühnenprogramm auf dem Uniplatz moderieren. Geplant ist an dem Abend auch ein Science Slam. In einem Workshop am 19. Mai können interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der MLU sich darauf vorbereiten. Worauf es ankommt und was sie selbst als Science Slammerin erfolgreich gemacht hat, erklärt Lisa Budzinski im Interview.
Lisa Budzinski bei einem ihrer eigenen Science-Slam-Auftritte zu Darmbakterien. Im Juli moderiert die Forscherin bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Halle.
Lisa Budzinski bei einem ihrer eigenen Science-Slam-Auftritte zu Darmbakterien. Im Juli moderiert die Forscherin bei der Langen Nacht der Wissenschaften in Halle. (Foto: science-slam.com / Markus Mielek)

Sie sind 2022 mit einem Beitrag zu Darmbakterien Deutsche Meisterin im Science Slam geworden. Was fasziniert Sie an dem Format? 
Lisa Budzinski: Für mich war und ist es eine riesige Freude, meine Leidenschaft für Wissenschaft auf die Bühne zu bringen. Wenn man forscht, kommt sie manchmal ein bisschen zu kurz, weil man alles bis ins letzte Detail richtig machen will und Wissenschaft eben auch Formalien hat. Beim Science Slam kann man die eigene Forschung dann losgelöst davon besprechen. Man merkt, was die Menschen interessiert, welche Anknüpfpunkte es zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gibt. Daraus ergibt sich die gesellschaftliche Rolle, die ein Science Slam aus meiner Sicht hat. Er ist eine der besten Mischungen von Spaß, Entertainment und dem Vermitteln von Wissen. Beim Science Slam können wir Forschung als Prozess, mit all den Zwischenschritten und in der ganzen Diversität der Themen, Menschen, Ideen und Perspektiven abbilden – das ist doch faszinierend. 

Zur Langen Nacht der Wissenschaften in Halle sind hiesige Forschende und Studierende dazu aufgerufen, ihre Arbeit bei einem Science Slam vorzustellen. Für sie gibt es im Vorfeld einen Online-Workshop. Was wird dort vermittelt?
Der Workshop hilft vor allem dabei, eine Kernbotschaft zu definieren und wichtige Fragen für sich zu beantworten: Was möchte ich transportieren, was sind gute Beschreibungen dafür, welche Analogien könnte ich benutzen – und welche Art von Geschichten gibt es, die ich dazu erzählen kann? Am Ende ist man eben ein bisschen Geschichtenerzähler*in. Ich selbst fand es als Anfängerin besonders wertvoll, dass zu Beginn des Workshops ein Blick darauf geworfen wurde, welche Art von Redner*in man überhaupt ist. Zum Beispiel mit der Frage: Mache ich von Natur aus schon viele Witze?

Muss man witzig sein?
Viele aus meinem Umfeld haben bei Science Slams abgesagt, weil sie meinten, nicht lustig zu sein. Aber Entertainment und Witz sind nicht das Gleiche. Man kann eine Geschichte auch emotional, sogar traurig erzählen. Da muss man nicht alle drei Sätze einen Witz einbauen. Das Wichtige ist, dass man authentisch und nahbar ist – und Lust auf Wissenschaft macht. 

Wie war Ihr eigener Weg zur Slammerin? 
Ich habe als Bachelorstudentin in Berlin oft Science Slams besucht und immer gehofft, dass ich irgendwann ein Thema habe, das ich auf die Bühne bringen kann. Dass ich das cool finde, mussten sich dann auch meine Kolleg*innen während meiner Promotion zur Darmflora bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen immer anhören. Irgendwann haben sie gesagt: Entweder machst du es jetzt oder du darfst das nicht nochmal erwähnen. Und dann habe ich angefangen. Mit einem Science Slam auf einer Promovierendentagung.

Nun hatten Sie ein nicht so appetitliches, aber sehr alltagsrelevantes Thema: die menschliche Verdauung. Hat das Ihre Science-Slam-Karriere vereinfacht?
Auf jeden Fall. Mein Thema bringt auch relativ viele Emotionen mit. Und ich habe ein eher loses Mundwerk. Das passt gut zusammen. 

Was sind die Hürden, wenn man die eigene Forschung präsentieren will?
Manchmal steht sich die Wissenschaft da ein bisschen selbst im Weg. Wer in die Forschung geht, lernt, sich wissenschaftlich auszudrücken, bestimmte Fachbegriffe zu nutzen und sich darüber auch als Wissenschaftler*in zu positionieren. In der Wissenschaftskommunikation wird in gewisser Weise ein Schritt zurück erwartet: Man lässt wieder Details weg, um das Thema nahbarer zu machen. Ich glaube, Wissenschaftler*innen haben Angst, dass etwas direkt falsch wird, wenn sie es zu leicht machen. Aus meiner Sicht muss Wissenschaftskommunikation aber gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit haben, sondern auf Zugänglichkeit.

Gibt es Fächer, die sich aus Ihrer Sicht besser eignen als andere?
Es eignen sich alle Fächer, aber es gibt unterschiedliche Herausforderungen. Es gibt wahnsinnig gute sozial- und geisteswissenschaftliche Vorträge, die Themen sind aber nach meinem Eindruck oft schwerer zu transportieren. Gedankenprozesse oder Argumentationen sind häufig nicht so leicht und konkret zu visualisieren – leider. Wo das immer ganz gut funktioniert, sind Gesundheits- und Technologiethemen, einfach weil die Nähe dazu im Alltag wahnsinnig hoch ist. Das Publikum fühlt sich schnell angesprochen. 

Welche Regeln gelten für einen Science Slam? 
Es muss zwingend die eigene Forschung sein, über die man spricht. Jeder Forschende hat die gleiche Zeit für seinen Vortrag, in der Regel sind es sind zehn Minuten. Kleine Experimente mitzubringen oder irgendetwas zu veranschaulichen, ist eigentlich immer eine gute Idee. 

Auf der Website des Slam-Veranstalters „Science & Stories“ steht, im Science Slam sei ansonsten alles erlaubt, was die Brandschutzordnung nicht verbietet. Was haben Sie sich schon einfallen lassen? 
Nichts derart Gefährliches. Ich hatte eine Zeit lang eine Lampionkette mit auf der Bühne und habe sie angeleuchtet, um zu zeigen, dass man Bakterien einzeln anschauen kann. Auch ein Stuhlprobenpaket hatte ich schon dabei – mit Konfetti gefüllt, das stand für die Bakterien, die aus dem Röhrchen kommen. Viele denken ja: „Oh, Forschung an Darmbakterien, das ist bestimmt spannend.“ Aber im Wesentlichen waren es einfach Kotproben, die ich tagtäglich gesehen habe - und unter der Nase hatte.   

Sie moderieren das Bühnenprogramm zur Langen Nacht der Wissenschaften in Halle. Worauf freuen Sie sich besonders – beim Science Slam, aber auch darüber hinaus?
Die Lange Nacht der Wissenschaften macht mich immer sehr glücklich, denn dort zeigt sich, wie groß das Interesse der Gesellschaft an Wissenschaft und am gemeinsamen Austausch ist. Eine Chance, die sich Wissenschaftler*innen nicht entgehen lassen sollten. Der Science Slam ist dabei ein besonderes Highlight, weil man hier die eigene Wissenschaft zu den Besucher*innen bringt und sie einen nicht in der Fülle des Angebots finden müssen – ein absolutes Muss also für alle, die ihre Forschung gern an viele Menschen kommunizieren oder ihre Leidenschaft dafür teilen wollen. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass man sowohl für das eigene Forschungsgebiet als auch für die Wissenschaft an sich Gesicht zeigt und damit besonders den jungen Besuchenden ein Vorbild sein kann. 

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Anmeldungen zum Workshop am 19. Mai, 17 bis 20/21 Uhr unter: 
https://www.science-slam.com/kostenloses-coaching-fuer-slammer/

Anmeldungen für den Science Slam selbst sind auch per Mail an info@science-and-stories.de möglich.

Zur Person:

Lisa Budzinski ist heute als Moderatorin, Science Slammerin und Coach in der Wissenschaftskommunikation tätig. Die 1992 geborene Biotechnologin hat nach ihrem Studium an der Technischen Universität Berlin für ihre Promotion am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin geforscht. Dabei hat sie die Zusammensetzung von Darmbakterien gesunder Menschen mit denen von Menschen verglichen, die unter chronischen Krankheiten wie Rheuma leiden – eine Grundlage für personalisierte Diagnostik und Behandlung. Im Dezember 2022 wurde sie Deutsche Meisterin beim Science-Slam in Hamburg. Seit 2023 ist sie Moderatorin bei ZDF Terra X in der Reihe „Terra Xplore“. Ihre Promotion schloss sie im März 2025 mit summa cum laude ab.

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