Preiswürdig: Kolumbianerin überzeugt nicht nur mit Bestnoten

16.03.2021 von Lena Süßmann in Campus, Personalia
Lina Maria Rayo Abella hat gerade ihr Masterstudium der Ernährungswissenschaften abgeschlossen – als eine der Besten ihres Jahrgangs. Beeindruckt hat sie aber nicht nur mit studentischen Leistungen, sondern auch mit sozialem und kulturellem Engagement, unter anderem beim „Spanischen Stammtisch“. Die Absolventin wurde dafür mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet.
Lina Maria Rayo Abella auf dem Universitätsplatz
Lina Maria Rayo Abella auf dem Universitätsplatz (Foto: Alejandro Taborda)

2012 war Lina Maria Rayo Abella das erste Mal in Deutschland und auch in Halle, damals noch im Rahmen einer vom DAAD geförderten Studienreise. Die Unterschiede zu ihrer Heimat Bogotá in Kolumbien waren für sie enorm. „Ich komme aus einer großen Stadt mit circa neun Millionen Einwohnern. Eine große Stadt bedeutet immer Stress“, sagt sie - unter anderem, weil Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Kolumbien schwierig sind. „Als ich nach Halle kam, funktionierte dagegen alles sehr gut.“

Zurück in Kolumbien und relativ unzufrieden mit ihrem Studium des Chemieingenieurwesens, entschied sich Rayo Abella für ein Auslandsjahr in Deutschland, um die Sprache und Kultur noch besser kennenzulernen. Dabei ist es nicht geblieben: Heute hat sie einen an der MLU erworbenen Bachelor- und Mastertitel in den Ernährungswissenschaften, ihre Abschlussarbeiten erhielten jeweils die Bestnote 1,0. Für die Masterarbeit zum Einfluss von Cholesterin auf die Vitamin-D-Absorption bei der Ernährung habe sie sich „beeindruckend schnell in die Zellkultur sowie in molekularbiologische Methoden und massenspektrometrische Analysen von Sterolen eingearbeitet“, schreibt Prof. Dr. Gabriele Stangl in einer Laudatio zum DAAD-Preis, der in diesem Jahr an die Kolumbianerin verliehen wurde. Rayo Abella habe bereits im Bachelorstudium eine große Leidenschaft für die Forschung erkennen lassen, in der Vergangenheit zusätzlich Forschungsprojekte am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften und am Institut für Molekulare Medizin unterstützt, so Stangl.

Aber nicht nur das: Die 30-Jährige setzt sich auch für viele gesellschaftliche und kulturelle Projekte ein. Sie ist Teil des sogenannten „Spanischen Stammtisches“, der – zumindest vor der Corona-Krise – einmal wöchentlich stattgefunden hat, um Spanischlernende oder Menschen aus Lateinamerika miteinander ins Gespräch zu bringen. Außerdem hilft sie dort jenen, die neu in Halle und Deutschland sind, bei Problemen mit Dokumenten oder Behörden. Mit den Mitgliedern ihrer Facebookgruppe „Latinos in Halle“ sind zwar momentan ebenfalls keine Treffen möglich, dennoch unterstützt sie deren Austausch untereinander. So diskutieren die Teilnehmenden und versuchen, sich gegenseitig zu helfen – beispielsweise bei der Übersetzung von Texten zu Corona-Maßnahmen in Deutschland.

Besonders wichtig ist der MLU-Absolventin darüber hinaus ein Projekt in Kolumbien: Sie unterstützt eine Gruppe von Medizin-Studierenden der Universität Magdalena. Erst habe sie nur ihrer Schwester Nachhilfe gegeben, dann seien immer mehr Leute dazugekommen, so Rayo Abella. Die Unis in Kolumbien seien nicht so gut mit Literatur ausgestattet wie die MLU mit ihren vielen Bibliotheken. Deshalb recherchiert die Preisträgerin Literatur auf Deutsch, bereitet sie auf Spanisch auf und stellt sie den kolumbianischen Studierenden zur Verfügung. „Mir ist es besonders wichtig, dass ich durch meine Kenntnisse und Erfahrungen anderen Menschen helfen kann.“

Mit dem DAAD-Preis hat sie dennoch nicht gerechnet. „Als ich die Nachricht gelesen habe, konnte ich das zunächst gar nicht glauben. Erst nach mehrmaligem Lesen habe ich es dann realisiert. Meine Familie ist sehr stolz auf mich und ich bin es auch.“ Rayo Abella dankt besonders ihren Dozentinnen Prof. Dr. Gabriele Stangl und Dr. Corinna Brandsch für die Unterstützung und Ermutigung zur Bewerbung um den Preis. Letztendlich sei es ihr auch sehr wichtig gewesen zu zeigen, dass ausländische Studierende trotz einer anfänglichen Sprachbarriere viel schaffen können. „Man muss jeden Tag hart dafür arbeiten, dann kann man alles erreichen, was man sich wünscht.“

Jetzt möchte die 30-Jährige in Halle am Institut für Ernährungswissenschaften promovieren. Der Gedanke an eine Rückkehr nach Kolumbien schwebt ihr zwar ständig durch den Kopf, sie schätzt es aber sehr, weitere Erfahrungen in Deutschland sammeln zu können und möchte diese eines Tages in ihrer Heimat teilen. „Deutschland und Halle - das war wie Schicksal. Ich bin davon überzeugt, dass das alles so für mich bestimmt war.“ 

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