Post-fossile Zukünfte - „Es gibt viele Kompetenzen an der MLU“

16.09.2021 von Katrin Löwe in Wissenschaft, Wissenstransfer
Energiewende, Strukturwandel und ihre sozialen Folgen: Mit diesen Themen befasst sich ab Sonntag, 19. September, an der Uni Halle eine einwöchige Summer School unter dem Titel „Post-Carbon Futures. Cities, Industries and Energies in Central Europe“. Gefördert wird sie vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Die Ethnologin Prof. Dr. Asta Vonderau von der Uni Halle spricht über die Hintergründe.
Der Tagebau Profen ist ein Exkursionsziel während der Summer School.
Der Tagebau Profen ist ein Exkursionsziel während der Summer School. (Foto: Mibrag / Rainer Weisflog)

Wie ist die Idee für die Summer School entstanden?
Sie passt einfach perfekt in unsere Region, post-fossile Zukünfte sind hier ein besonders aktuelles Thema. Ich habe mich für Technologien sowie Prozesse der Industrialisierung und Urbanisierung interessiert, bevor ich vor drei Jahren nach Halle kam – und entdeckt, wie spannend Mitteldeutschland in diesem Zusammenhang ist. Heute bin ich hier auch Geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Interdisziplinäre Regionalstudien ZIRS und im Direktorium des Instituts für Strukturwandel und Nachhaltigkeit an der MLU. Das sind alles Orte, an denen die Themen aus einer sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlichen Perspektive beleuchtet werden. Überhaupt gibt es in dem Bereich viele Kompetenzen an der Universität: im Forschungsschwerpunkt „Gesellschaft und Kultur in Bewegung“, am Zentrum für soziale Innovation, in den Naturwissenschaften. Ich bin froh, ein Teil davon zu sein.

Wir haben für die Summer School trotz Pandemie ausländische Partner wie die britische Durham University und die European Humanities University Vilnius aus Litauen gewinnen können. Zudem sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Tallin in Estland, dem schottischen St. Andrews oder dem britischen Sheffield eingeladen. Wir reden ja über Prozesse, die nicht an regionalen Grenzen enden. Aus konkreten Beispielen heraus kann man nach Unterschieden und Ähnlichkeiten suchen, aus denen sich für die Wissenschaft sehr verschiedene Fragen ergeben.

Asta Vonderau
Asta Vonderau (Foto: Markus Scholz)

Wer sind die Teilnehmenden?
Master-Studierende, aber vor allem Promovierende, die bereits an eigenen Forschungsprojekten arbeiten. Hinzu kommen einige Postdocs, die sich mit relevanten Themen beschäftigen. Die meisten internationalen Gäste sind aus Europa – in diesen schwierigen Corona-Zeiten haben wir vor allem Menschen angesprochen, bei denen es realistisch ist, dass sie kommen können. Auch fachlich ist es eine ganz bunte Mischung: Viele kommen aus der Ethnologie, aber auch aus der Humangeographie, Soziologie, der Stadtplanung…

… und sie beschäftigen sich in der Woche konkret womit?
Wir haben eine Mischung aus wissenschaftlichen Aktivitäten wie Workshops, Diskussionen und Lectures sowie Exkursionen und Treffen mit Akteurinnen und Akteuren aus der Praxis. Unser Programm ist in drei Module unterteilt. Eines behandelt die Frage, wie Städte, auch kleine Städte, und Industrien auf den Wandel zur nachhaltigen Energieproduktion reagieren. In dem Zusammenhang gehen wir beispielsweise nach Halle-Neustadt oder besuchen die Stadtwerke Halle. Das zweite Modul steht unter dem Titel „Energy Pasts Energy Futures“, im dritten unter dem Titel „Landscapes of Coal“ fahren wir dann zum Tagebau Profen, aber auch zu Tagebauseen.

Was könnte aus Ihrer Sicht ein Ergebnis der Summer School sein, was wird bleiben?
Ich hoffe natürlich, dass sie einen Austausch unter jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anregt, der auch weitergeht. Und vielleicht entwickelt sich durch Exkursionen nach und nach ein Dialog und Wissenstransfer. Etwas, worauf das Institut für Strukturwandel und Nachhaltigkeit abzielt, ist ja der Kontakt nach außen, in die Praxis. Außerdem werden wir die Summer School auf einer Webseite dokumentieren.

Die Summer School findet vom 19. bis 26. September statt. Organisatoren sind das Seminar für Ethnologie, das Zentrum für Interdisziplinäre Regionalstudien, das Institut für Strukturwandel und Nachhaltigkeit, das sich an der Uni in seiner Gründungsphase befindet, die Durham University, die European Humanities University Vilnius und das CityIndustries Research Network. Mehr Infos unter: https://www.zirs.uni-halle.de/veranstaltungen/2021-09-19/184/

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