Ein Meilenstein für die Geobotanik

24.04.2026 von Katrin Löwe in Jahrbuch, Campus
Der Institutsbereich Geobotanik und Botanischer Garten der MLU prägt die internationale Biodiversitätsforschung. Mit dem Neubau eines Laborgebäudes und eines Herbariums sowie der denkmalgerechten Sanierung des Institutsgebäudes kann diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden. Mehr als 27 Millionen Euro wurden dafür vom Land Sachsen-Anhalt investiert.
Sommerlicher Blick aus dem Botanischen  Garten auf das denkmalgerecht restaurierte  Institutsgebäude der Geobotanik
Sommerlicher Blick aus dem Botanischen Garten auf das denkmalgerecht restaurierte Institutsgebäude der Geobotanik (Foto: Norbert Perner)

Auf dem Gelände des Botanischen Gartens der Universität treffen heute Tradition, moderne Infrastruktur und Spitzenforschung aufeinander. Mit der Fertigstellung des Ensembles aus zwei Neubauten und dem sanierten Institutsgebäude haben sich auf einer Nutzfläche von insgesamt 2.667 Quadratmetern die Studien- und Forschungsbedingungen noch einmal deutlich verbessert. Insgesamt wurden dafür rund 27,8 Millionen Euro investiert, gefördert aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und realisiert vom Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt. Auf Seiten der Universität wurde das Mammut-Vorhaben – eines der größten Infrastrukturprojekte in den vergangenen Jahrzehnten an der MLU – von der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement begleitet. 

Das Ergebnis trägt dazu bei, die botanische und ökologische Forschung an der Universität in ihrer Kontinuität zu sichern und weiterzuentwickeln. Aufbauen kann die MLU auf eine lange Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht: 1698 wurde der Botanische Garten der Universität als erster „hortus medicus“ Preußens, als Arzneigarten, gegründet. Heute ist der Institutsbereich Geobotanik und Botanischer Garten ein wesentlicher Player im Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), einem nach langjähriger Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft inzwischen von den drei mitteldeutschen Ländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, den Universitäten Halle, Jena und Leipzig sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung getragenen Forschungszentrum. Seit der Gründung von iDiv im Jahr 2012 hat sich die Universität als ausgewiesene Anlaufstelle der Biodiversitätsforschung etabliert. Davon zeugen neben zahlreichen hochrangigen Publikationen nennenswerte Förderungen und Preise, darunter zwei Forschungspreise des Europäischen Forschungsrats ERC. 

Die strukturellen Voraussetzungen für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte sind nun geschaffen. Im Zentrum der 2025 abgeschlossenen Bauprojekte steht das denkmalgerecht sanierte Institutsgebäude, das älteste Institutsgebäude der MLU überhaupt. Es stammt aus den 1840er Jahren und behielt durch seine historischen Türen und Steinfußböden, die Wiederherstellung des ursprünglichen intensiv ockerfarbigen Anstrichs und originalgetreue Nachbauten der Fenster seinen historischen Charakter. Der weitgehend in seinem Erscheinungsbild erhalten gebliebene Hörsaal erhielt eine moderne Ausstattung. Gleichzeitig entstanden ein barrierefreier Zugang samt Aufzug, zwei moderne Seminarräume für insgesamt 60 Personen und ein Praktikumsbereich mit 20 Arbeitsplätzen.

Unmittelbar neben dem Hauptgebäude entstand der neue Laborbau mit einer Nutzfläche von rund 1.000 Quadratmetern. Moderne Groß- und kleinere Labore, Technik- und Archivräume, ein Seminarraum sowie Kommunikationszonen sind dort unter einem Dach vereint. Auch Familiengerechtigkeit spielte in dem Infrastrukturprojekt eine Rolle: So bietet der Forschungsneubau zum Beispiel einen Stillraum.

Das neue Herbarium auf dem Wirtschaftshof des Botanischen Gartens verfügt über zwei Sammlungsräume, Lager- und Technikräume sowie Arbeitsräume, in denen die Pflanzen für die Einlagerung im Archiv vorbereitet werden. Das Herbarium bewahrt rund 600.000 Exponate, die für die Biodiversitätsforschung unverzichtbar sind. Durch spezielle Temperaturführung und technisch gesteuerte Luftfeuchte bietet es dauerhaft stabile Bedingungen. Optimierte Rollregalanlagen mit einer Höhe von mehr als drei Metern steigern zudem die bisherige Archivkapazität auf fast das Doppelte. Beide Neubauten sind mit Photovoltaik- Anlagen zur Energieversorgung ausgestattet – offiziell als erste der Universität. Ebenso wie das Institutsgebäude sind sie zudem barrierefrei.

Die Übergabe

Finanzminister Michael Richter (links) und Wissenschaftsminister Armin Willingmann übergaben den symbolischen Schlüssel an Rektorin Claudia Becker.
Finanzminister Michael Richter (links) und Wissenschaftsminister Armin Willingmann übergaben den symbolischen Schlüssel an Rektorin Claudia Becker. (Foto: Maike Glöckner)

Symbolische Schlüsselübergabe für das sanierte Institutsgebäude und die beiden Forschungsneubauten auf dem Gelände des Botanischen Gartens: Das fertiggestellte Ensemble in der Geobotanik wurde am 17. November 2025 nach fünf Jahren Bauzeit offiziell von Sachsen- Anhalts Finanzminister Michael Richter (im Foto links) und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann an Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker übergeben. Die Minister betonten auf der feierlichen Veranstaltung die Bedeutung der Investition für den traditionsreichen Forschungsstandort Halle und die Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts insgesamt. „Forschung gedeiht dann besonders gut, wenn alle Bedingungen stimmen“, sagte Willingmann. Neben klugen Köpfen brauche es moderne Infrastruktur – damit könne die Geobotanik der MLU jetzt punkten. Öffentlich vorgestellt wurde im Rahmen der Übergabe auch ein digitales Kunstprojekt, mit dem die Klosterkirche Neuwerk visualisiert wird. Reste der Klosterkirche wurden bei Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie auf dem Baufeld für das neue Herbarium entdeckt. 

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