Hugo-Junkers-Preis: Dreifacher Erfolg für MLU-Forschende

Der Hugo-Junkers-Preis ist mit 80.000 Euro der höchstdotierte Innovationspreis des Landes Sachsen-Anhalt. „Die Preisträgerinnen und Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie aus exzellenter Forschung konkrete Lösungen entstehen, die unser Leben verbessern können“, sagte Wissenschaftsminister Willingmann anlässlich der Preisverleihung in Magdeburg.
Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie „Innovativste Vorhaben der Grundlagenforschung“ sicherten sich Dr. Gerd Balcke, Dr. Robert Rennert und Dr. Mohamad Saoud vom Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie gemeinsam mit dem Bioinformatiker PD Dr. Jan Grau von der MLU. Prämiert wurde ihr Projekt „KI-unterstütztes Metaboliten-Fingerprinting zur Vorhersage der Wirkmechanismen neuer Anti-Krebs-Wirkstoffe“. Die Grundidee: Pflanzen, Pilze und Bakterien produzieren zahlreiche Naturstoffe, die den Zellstoffwechsel bis hin zum Zelltod beeinflussen können und auch vielversprechende Kandidaten für neue Krebsmedikamente sind. Ihre pharmazeutische Entwicklung wird aber durch die aufwendige und kostenintensive Aufklärung der Wirkmechanismen erschwert. Zur frühzeitigen Bewertung kombinierten die Forschenden gezielte Metabolomik – zur Erfassung charakteristischer Wirkstoff-Fingerabdrücke – mit trainierten Machine-Learning-Methoden. Dadurch lässt sich die Wirkungsweise neuer Wirkstoffe schnell und präzise vorhersagen.
In derselben Kategorie wurden Prof. Dr. Markus Otto, Professor für Neurologie an der MLU und Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Halle, und PD Dr. Patrick Öckl vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Den mit 7.000 Euro dotierten Preis erhielten sie für ihr Projekt „Beta-Synuclein im Blut zur Frühdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung und von Schlaganfällen“. Neurologische Funktionsausfälle wie Gedächtnisstörungen und Lähmungen entstehen durch den Verlust synaptischer Verbindungen, etwa bei Alzheimer oder Schlaganfall. Frühzeitige Blutmarker für synaptische Schäden fehlen bislang. Das neu entwickelte Verfahren ermöglicht erstmals die Messung des synaptischen Proteins Beta-Synuclein im Blut. Dessen Konzentration korreliert beim Schlaganfall mit dem Ausmaß des Schadens und steigt bei Alzheimer bereits in sehr frühen Krankheitsstadien, teils Jahre vor Symptombeginn. Der Marker erlaubt eine frühe Diagnostik und unterstützt die Entwicklung wirksamer Therapien im Frühstadium. Die Methode ist patentiert; eine Ausgründung befindet sich im Aufbau.
Auch in der Kategorie „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“ konnte die Universität punkten. Der zweite Platz ging an Prof. Dr. Stefan Hüttelmaier und Dr. Nadine Bley vom Institut für Molekulare Medizin und Prof. Dr. Wolfgang Sippl vom Institut für Pharmazie der MLU für das Projekt „Neue Krebstherapien durch zielgerichtete Inhibition RNA-bindender Proteine“. Bestimmte RNA-bindende Proteine, insbesondere das Protein IGF2BP1, kommen vermehrt in Krebszellen vor und fördern die Entstehung sowie das Wachstum von Tumoren. Damit bieten sie einen vielversprechenden Ansatzpunkt für neue, zielgerichtete Therapien. Auf Grundlage moderner Methoden, darunter KI-gestützte Analysen von Proteinstrukturen, wurden gezielte Wirkstoffe gegen IGF2BP1 entwickelt und patentiert. Präklinische Studien in Tiermodellen und patientennahen Tumormodellen zeigen ein hohes therapeutisches Potenzial. Die Weiterentwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit einem internationalen Pharmaunternehmen. Der Preis ist ebenfalls mit 7.000 Euro dotiert.
In diesem Jahr wurde er in vier Kategorien vergeben: für Grundlagenforschung, angewandte Forschung, für innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sowie als Sonderpreis für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel. 74 Teams aus Wissenschaft und Wirtschaft hatten sich in dieser Runde beworben.
Weitere Informationen zu den prämierten Projekten unter: www.hugo-junkers-preis.de