Scharfblick für mehr Transfer

01.08.2014 von Michael Deutsch in Personalia
„Es gab keinen Entscheidungsdruck, sondern eine gut überlegte und schrittweise Nachfolgeregelung“, sagt der neue Geschäftsführer des Univations Institut für Wissens- und Technologietransfer an der Martin-Luther-Universität. Sein Amtsvorgänger Dr. Ulf-Marten Schmieder, der Univations vor zehn Jahren aus der Taufe hob, hat indes die Nachfolge von Prof. Dr. Wolfgang Lukas angetreten und lenkt die Geschicke des Technologie- und Gründerzentrums Halle (TGZ).
Vom Gründer zum Univations-Geschäftsführer: Daniel Worch
Vom Gründer zum Univations-Geschäftsführer: Daniel Worch (Foto: Michael Deutsch)

Mit überlegten Schritten kommt man eben nicht ins Stolpern. Zeitgleich mit geplanten personellen Veränderungen im TGZ bahnte sich bereits 2012 der Wechsel an der Spitze des An-Instituts an. Daniel Worch, bislang geschäftlicher „Sparringspartner“ von Ulf-Marten Schmieder und späterer Prokurist der Univations GmbH, berichtet denn auch von einer systematischen Einarbeitungsphase. Als Univations-Chef bringt der 34-jährige Betriebswirt zweifelsohne das passende Rüstzeug mit. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann beim Automobilbauer BMW nahm Worch 2002 das Studium der Betriebswirtschaftslehre in Halle auf und führte das Hauptstudium in Leipzig mit Spezialisierung auf Personal, Banken und Handel weiter. Just zu dieser Zeit baute BMW das Werk in Leipzig auf. Worch wurde im Bereich Personalwesen und Personalentwicklung, zunächst als Werkstudent, beauftragt, geeignetes Personal zu finden und Qualifizierungsmaßnahmen zu organisieren. 2007 gab es im Konzern Umbrüche. „Alles, was nicht Kerneigenleistung war, sprich die Organisation von Weiterbildungen oder das Trainingsmanagement, wurde outgesourct“, berichtet der Hallenser, der daraufhin zu einem Münchener Start-up-Unternehmen wechselte. Hier war er weiterhin im Auftrag des Automobilkonzerns unterwegs – jetzt sogar bundesweit. Schon ein Jahr später wagte er den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Mit einem Partner gründete Daniel Worch das bis heute am Markt agierende Unternehmen „mst events“, das in der Folgezeit für den Automobilkonzern als Dienstleister das komplette Trainingsmanagement und die Organisation von Weiterbildungen übernahm – darunter auch für die BMW-Händlerorganisation. Worch nennt als Hausmarke rund 5.000 Veranstaltungen pro Jahr, die zu organisieren waren. Aus familiären Gründen kehrte er 2010 nach Halle zurück.

Und heute? „Ich bin gern zurück in der Saalestadt.“ Die Liebe mache sich fest an der Lebensqualität. Und auch an der Arbeit. „Univations ist für mich die ideale Kombination“, unterstreicht der begeisterte Wasser- und Wintersportler. Gerade weil er aufgrund seines beruflichen Werdegangs das Gründerdasein kenne – mit all seinen Höhen und Tiefen. „Diese Erfahrungen möchte ich unbedingt weitergeben.“ Natürlich müsse man den Univations Gründerservice, der Anlaufstelle für gründungsinteressierte Studierende, Wissenschaftler und Professoren an der Uni Halle ist, nicht wie vor zehn Jahren erklären. Der Bekanntheitsgrad ist zweifelsfrei gewachsen, die Erfolge beachtlich – auch im deutschlandweiten Vergleich. 2011 wurde die MLU mit dem halleschen Modell der Gründungs- und Innovationsförderung in einem vom Bundeswirtschaftsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb als eine von bundesweit zehn Gründerhochschulen ausgezeichnet.

Derzeit sind 23 Mitarbeiter beschäftigt. Natürlich sind damit auch gewisse Forderungen verbunden. „Sprich, die Förderung läuft dafür, dass die Uni gründerfreundlich bleibt und sich dahingehend weiter entwickelt“, sagt Worch. „Dafür haben wir bewusst auch Technologie-Scouts im Einsatz. Das heißt, wir übernehmen eine aktivere Rolle, in dem wir in die Uni schauen und mit den Professoren in den einzelnen Fakultäten sprechen, welche Projekte perspektivisch das Zeug zur Gründung haben könnten und damit transferrelevant sind.“ Aktuell verweist Daniel Worch auf ein solches Gründungsprojekt, das „Biocharming“ heißt und mit einem Exist-Gründerstipendium ausgestattet wurde. „Mein Wunsch wäre es, wenn wir drei bis vier solcher technologie- oder bioorientierten Gründungsprojekte pro Jahr entwickeln könnten.“ Natürlich wolle er mit seiner Gründerbegeisterung andere anstecken. Das alles aber im Wissen, dass es kein Massenphänomen dieser Art geben kann, weil eine Universität eben in erster Linie die Aufgabe von „Forschung und Lehre“ erfüllt. „Und dennoch müssen wir den Blick schärfen, tiefer in die Universität schauen. Tendenziell müssen wir schneller erkennen, wenn wissenschaftliche Ergebnisse für die Wirtschaft relevant und verwertbar sind.“

Dass Univations bereits eine tragfähige Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist, zeige sich bereits an vielfältigen Formaten, die den Wissens- und Technologietransfer beschleunigten, aber auch deren finanzielle Umsetzung ermöglichten. Ein wichtiger Puzzlestein dafür ist das Investforum, bei dem junge Unternehmen aus Sachsen-Anhalt mit Investoren aus dem gesamten Bundesgebiet quasi wie bei einem „Speed-Date“ zusammengebracht werden.

Und das Wort Investoren klingt wie Musik in vieler Ohren. „Denn zumeist scheitern vielversprechende Gründungsvorhaben einfach am Startkapital. Deswegen haben wir gesagt: Wir stellen alle unsere Gründer auf eine Bühne und präsentieren ihre Ideen den Kapitalgebern, um beidseitiges Interesse zu wecken“, sagt Worch. Mit dem Investforum, der größten Matchingveranstaltung für Beteiligungskapital in Mitteldeutschland, habe man in den letzten fünf Jahren zirka 30 Millionen Euro an Kapital vermitteln können. Die sechste Auflage wird am 17. und 18. September in Magdeburg stattfinden. „Klassisch werden wir wieder 20 präsentierende Teams am Start haben, mindestens 50 Investoren.“

 

Univations im Internet: www.univations.de

Univations-Gründerservice der MLU: www.gruendung.uni-halle.de

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