Neu erschienen: Die Reiseberichte Ernst Höltzers

14.10.2026 von Katrin Löwe in Rezension, Wissenschaft
In regelmäßigen Abständen wirft „campus halensis“ einen Blick auf die in den vergangenen Monaten neu erschienenen Publikationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität und stellt eine davon ausführlicher vor. Diesmal geht es um Reiseberichte des Ingenieurs und Fotografen Ernst Höltzer (1835–1911). Herausgegeben wurden sie von Kustos Dr. Dirk Schaal im Kontext der aktuellen Ausstellung an der MLU.
Ein Stapel neu erschienener Bücher
Ein Stapel neu erschienener Bücher (Foto: Leka / stock.adobe.com)

Ernst Höltzers erste Reise nach Persien im Jahr 1863 begann abenteuerlich. Ein Freund, der ihm Geld geben wollte, versetzte ihn – so dass Höltzer die erste größere Etappe mit dem Dampfschiff von Hamburg nach London kurzerhand auf Pump zurücklegen musste. Auch sein zuvor in Erfurt bei der Bahn aufgegebenes Gepäck kam nicht rechtzeitig in Hamburg an – oder wie er selbst schrieb: „der Kuckuck muß hier in dieser Bahn stecken“. 

Höltzer erreichte trotz aller Widrigkeiten das Land, das zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Von 1863 bis 1890 war der gebürtige Thüringer am Bau und Betrieb der indo-europäischen Telegrafenlinie in Persien beteiligt. Bis zu seinem Tod lebte er überwiegend in der armenischen Enklave Djulfa bei Isfahan. Dass sein Name heute nicht nur für den eines deutschen Ingenieurs im Orient steht, lag auch an seiner Leidenschaft für die Fotografie. Ab 1868 fotografierte Höltzer systematisch seine Umgebung und hielt dabei die kulturelle Vielfalt des Landes fest. Im Iran gilt er heute als Pionier der Fotokunst. Sein fotografischer Nachlass ist derzeit gemeinsam mit aktuellen Arbeiten iranischer Medienkünstlerinnen in einer Ausstellung im Löwengebäude der Universität zu sehen.

Zu Höltzers Nachlass zählen aber nicht nur unzählige Fotografien, sondern auch Briefe, Erinnerungen und Berichte, die in dem von Kustos Dr. Dirk Schaal herausgegebenen Band „Ernst Höltzers Persien. Von Thüringen nach Isfahan. Reiseberichte 1863–1909“ nun erstmals veröffentlicht werden. Ernst Höltzer lege mit ihnen ein „selten zu findendes, sehr persönliches Zeugnis seiner Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen ab“, schreibt Schaal. Einiges spreche dafür, dass er vorhatte, sein Material zu publizieren – die Überarbeitung sei allerdings nie über ein Arbeitsstadium hinausgekommen.

Dabei dürften die Briefe an seine Familie im Thüringer Wald „noch heute, wie von Höltzer erhofft, nicht nur an den ,langen Winterabenden‘ ihre Leser fesseln“, schreibt der Historiker und Publizist Steffen Raßloff in einem Beitrag im Buch. „Im Plauderton des Briefeschreibers ist vom Dauerzwist mit seinen lästigen englischen Reisebegleitern die Rede, von den Eigenheiten der durchreisten Länder und Städte […] vom Bau der Telegraphenlinie und der Zusammenarbeit mit Georg von Siemens.“

Erschienen ist der unter anderem mit Zeichnungen aus der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ bebilderte Band im Mitteldeutschen Verlag.

Dirk Schaal (Hg.): Ernst Höltzers Persien. Von Thüringen nach Isfahan. Reiseberichte 1869-1909. Halle 2026, 212 Seiten, 48 Euro, ISBN:  978-3-68948-152-0

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