Klimawandel: Präzise Vermessung von Kulturpflanzen

Winterweizen ist nicht gleich Winterweizen. Laut dem Bundessortenamt werden in Deutschland aktuell mehr als 200 verschiedene Sorten angebaut. Obwohl sich ihr Erbgut teilweise nur in Details unterscheidet, wachsen die Sorten oft ganz anders: Zum Beispiel bedecken manche Sorten den Boden im Frühling schneller, andere umgehen durch eine frühe Kornreife den Trockenstress im Sommer. Solche Eigenschaften bestimmen, wie gut sich eine Sorte für einen spezifischen Standort unter sich ändernden Klimabedingungen eignet. An dieser Stellt setzt die Forschung von Prof. Dr. Lukas Roth an: „Wir untersuchen im Feld, wie einzelne Varietäten ein und derselben Kulturpflanze auf ihre Umwelt reagieren.“
Das Wachstum jeder einzelnen Sorte kontinuierlich über die gesamte Saison händisch zu erfassen, wäre extrem aufwendig. Stattdessen kommen dafür Roboter und Drohnen zum Einsatz, die die Felder autonom abfahren und abfliegen und dabei mithilfe moderner Sensoren eine Vielzahl von Eigenschaften erfassen. Ergänzt werden diese Daten durch Wetterdaten und andere Umweltparameter. Diese Informationen verarbeiten Roth und sein Team mithilfe eigens entwickelter KI-Modelle zu Prognosen darüber, wie einzelne Sorten auf veränderte Klimabedingungen reagieren. „Das Wissen darüber ist eine essenzielle Voraussetzung, um Herausforderungen in der Landwirtschaft vorausschauend meistern zu können“, sagt Roth.
Der gebürtige Schweizer absolvierte zunächst eine Ausbildung zum technischen Modellbauer. Anschließend studierte er Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft Luzern und arbeitete als Analyst für Bosch und andere Unternehmen. Von 2012 bis 2027 absolvierte Roth ein Bachelor- und Masterstudium der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich. 2021 wurde er dort promoviert. Bis zu seiner Berufung auf die an der MLU neu eingerichtete Professur war Roth als Post-Doc an der ETH Zürich tätig.
„Es ist eine einmalige Gelegenheit, in einer von Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung, aber auch von führenden Technologie- und Forschungsinstitutionen geprägten Umgebung ein vernetztes und interdisziplinäres Team für Forschung und Lehre aufzubauen“, sagt Roth über seine neue Stelle. An der MLU möchte er seine Forschung auf dem Julius-Kühn-Versuchsfeld fortsetzen und daran arbeiten, die Erkenntnisse in die Züchtungs- und Agrarpraxis zu überführen.
Prof. Dr. Lukas Roth
Precision Phenotyping
Tel.: +49 345 55-22762
E-Mail: lukas.roth@landw.uni-halle.de