„Lasst uns anfangen zu arbeiten!“

09.09.2022 von Manuela Bank-Zillmann, Katrin Löwe in Campus
Ein Amtsantritt in nicht gerade einfachen Zeiten: Seit dem 1. September ist Prof. Dr. Claudia Becker Rektorin der Universität. Vor welchen Herausforderungen sie die MLU sieht und welche Themen sie auf ihre Agenda für die ersten 100 Tage gesetzt hat, darüber sprach sie im Interview mit campus halensis.
Rektorin Claudia Becker im Interview
Rektorin Claudia Becker im Interview (Foto: Marian Sorge)

Vor Ihnen befindet sich ein Berg von Arbeit. Was liegt – ganz praktisch – im Moment in der Mappe ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?
Claudia Becker: Informationen zur Veranstaltung „Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation: Potenziale der Wissenschaftsstadt Halle (Saale)“ – der erste offizielle Termin, bei dem ich am Donnerstag aufgetreten bin. Das Thema ist bedeutend. Und der nächste wichtige Termin steht schon heute im Wissenschaftsministerium zur weiteren Entwicklung unserer Struktur auf der Agenda.

Damit haben Sie schon selbst zum nächsten Punkt übergeleitet: Das Thema Struktur und Finanzen hat die Universität in den vergangenen Monaten sehr stark beschäftigt. Haben Sie schon Vorstellungen, wie es weitergehen kann und soll? Ein Plan liegt auf dem Tisch, abgesegnet durch den Senat.
Richtig, es liegt ein Plan auf dem Tisch und der wird auch die Grundlage für das weitere Vorgehen sein – sein müssen. Ihn komplett wieder umzuwerfen, wird nicht funktionieren. Insofern müssen wir schauen, dass wir ihn als Ausgangspunkt nehmen, um die strukturellen Weiterentwicklungen anzugehen. Bis jetzt haben wir finanzielle Aspekte in den Vordergrund gestellt, der Notwendigkeit geschuldet. Jetzt muss es tatsächlich um Strukturen gehen. Überlegungen dazu können aber nur in Rückkopplung mit dem Ministerium passieren – deswegen gibt es heute die erste Kontaktaufnahme in Magdeburg, jedenfalls die erste auf Arbeitsebene.

Tatsächlich waren Sie schon einmal in Magdeburg, Sie haben Anfang August Ihre Ernennungsurkunde direkt aus den Händen des Ministers erhalten. Wie war das Gespräch mit Armin Willingmann, auch atmosphärisch?
Sehr zugewandt, sehr offen und sehr kollegial – auch in einem universitär-kollegialen Sinne. Der Minister kommt ja aus einem Hochschul-Umfeld. Das war zu spüren. Ganz wichtig ist, so weiterzumachen: miteinander zu sprechen, bei jeder Gelegenheit, und diesen Gesprächsfaden in keinem Fall abreißen zu lassen. Das halte ich für das A und O.

Bleiben wir in Magdeburg: Ein wichtiges Thema in der politischen Debatte ist das Lehramt. Die Universität hat sich verpflichtet, in diesem Wintersemester 1.000 Studienanfänger aufzunehmen. Welche Herausforderungen bringt das mit sich?
Da müssen wir unterscheiden. Wir haben uns nicht verpflichtet, dafür zu sorgen, dass wir 1.000 Studienanfänger haben – sondern dazu, die Plätze zur Verfügung zu stellen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Für die Plätze haben wir gesorgt. Was wir nicht aktiv steuern können ist, ob alle kommen, für die wir sie vorhalten. Wichtig ist klarzumachen, dass Lehrerinnen und Lehrer gebraucht werden und es Potenzial für Studierende gibt, später auch entsprechend unterzukommen – und dass wir begeistern für Fächer, in denen es nicht nur Bedarf gibt, sondern die auch total spannend sein können.

Ist die Lehramtsausbildung nur Herausforderung oder birgt sie auch Potenziale?
Natürlich ist sie eine Herausforderung für uns alle, aber definitiv gibt es auch große Potenziale. Wir erfüllen für das Land eine sehr wichtige Aufgabe, die auch zu unserem Profil gehört. Sorgen, dass die Lehramtsausbildung unser Profil einengt, müssen wir nicht haben. Denn für die Ausbildung von Lehrkräften brauchen wir ein breites Spektrum an fachlicher Ausbildung, also gerade die Vielfalt, die unsere Universität bietet.

Sie sind die erste Rektorin in der über 500-jährigen Geschichte der Universität. Und Sie haben mit Prof. Dr. Christine Fürst und Prof. Dr. Insa Theesfeld auch zwei Frauen für die Leitung der Prorektorate vorgeschlagen – wird das die MLU verändern?
Ich wage das nicht zu prognostizieren. Ich lebe schon lange den Grundsatz, dass es eigentlich keine Rolle spielen sollte. Ich weiß aber, dass Frauen anders führen als Männer. Nicht besser oder schlechter, sondern einfach nur anders. Insofern: Vermutlich wird sich etwas ändern, aber ich kann nicht sagen, was ich da erwarte.

In der Politik, besser gesagt in den Medien, werden gern 100-Tage-Bilanzen gezogen. Was wollen Sie und Ihr Team in Ihren ersten 100 Tagen als erledigt betrachten?
Wir bereiten uns jetzt zügig auf das neue Studienjahr vor – mit all seinen Herausforderungen, die es zwischen Corona-Pandemie und der Energiekrise für Lehrende, Beschäftigte und unsere Studierenden bereithält. Zudem müssen wir eine erste Agenda mit dem Ministerium in Bezug auf die Strukturentwicklung festlegen und in den ständigen Austausch mit allen wichtigen Personen inner- und außerhalb der Universität treten, zu allen relevanten Themen. Mein Terminkalender füllt sich stündlich mehr.

Ihr Motto?  
Lasst uns anfangen zu arbeiten!

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