Große Namen: Carl Robert

30.03.2022 von Ines Godazgar in Varia, Große Namen
Er gehörte zu den bedeutenden Altertumswissenschaftlern seiner Zeit. Das posthum nach ihm benannte Archäologische Museum an der Uni konnte er deutlich erweitern und in Forschung wie Lehre mit Leben erfüllen. Sein Todestag hat sich 2022 zum 100. Mal gejährt.
Das nach Carl Robert benannte Robertinum ist eines der prägendsten Gebäude auf dem Universitätsplatz.
Das nach Carl Robert benannte Robertinum ist eines der prägendsten Gebäude auf dem Universitätsplatz. (Foto: Katharina Nitschke)

Die Kunde, dass der in Halle lehrende Archäologe Prof. Dr. Carl Robert seinen 60. Geburtstag begeht, war seinerzeit auch der Presse eine Meldung wert: Die Saale-Zeitung schrieb am 8. März 1910, dass der Jubilar sein Wiegenfest in Wiesbaden feiert. Erwähnt wird außerdem eine Bronzestatuette als Kopie einer antiken Statue samt eigens gefertigter Säule aus Sandstein, die Robert von seinen Studenten als Geschenk erhielt. Dass es die Zeilen gab belegt, dass der Wissenschaftler seinerzeit über die hiesige Universität hinaus geschätzt wurde – und zwar als „liebenswürdiger Mensch“, wie es heißt.

Zu jenem Zeitpunkt war der am 8. März 1850 in Marburg als Sohn eines Arztes geborene Carl Robert längst deutschlandweit als einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen Altertumswissenschaften bekannt. Sein Weg in die Wissenschaft schien vorgezeichnet, denn sowohl sein Vater als auch sein Großvater hatten bereits Professuren innegehabt.

Robert selbst begann 1868 sein Studium der klassischen Philologie und Archäologie in Bonn. Nach dem Einsatz im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 setzte er seine Ausbildung in Berlin fort, wo er im Anschluss auch lehrte. Als er 1889 den Ruf an die hallesche Friedrichs-Universität erhielt, zog er mit seiner Frau Clara und den drei Kindern Helene, Wolfgang und Anna in die Saalestadt. Das großzügige Wohnhaus der Familie befand sich seit 1904 im Angerweg (heue Geschwister-Scholl-Straße 40).

Carl Robert in den 1890er Jahren
Carl Robert in den 1890er Jahren (Foto: Universitätsarchiv)

Robert, für den als Ordinarius für klassische Archäologie und Philologie beide Disziplinen noch als Einheit galten, fand in der Saalestadt gute Bedingungen vor. Der Bau eines Archäologischen Museums, um den man in Halle lange gerungen hatte, war längst beschlossen und vorangetrieben worden. Robert selbst konnte mit seinem Dienstantritt noch reichlich Einfluss auf den Neubau nehmen, dessen repräsentative Gestaltung und exponierte Lage direkt neben dem Löwengebäude auf den hohen Stellenwert hindeuteten, den man damals der Kunst des klassischen Altertums einräumte.

Heute wird er oft für den Gründer des Archäologischen Museums gehalten, was nicht ganz korrekt ist. Zwar konnte er den Bau am 9. Dezember 1891 offiziell einweihen, doch schon in den Jahren davor hatte es an der Universität eine archäologische Sammlung gegeben, die anfänglich jedoch im Erdgeschoss der damaligen Universitätsbibliothek am Friedemann-Bach-Platz untergebracht war.

Carl Robert erweiterte ihren Bestand durch diverse Neuerwerbungen und füllte das neue Gebäude und die dortige Forschung mit reichlich Leben. Er lud zu Vorträgen ein und publizierte viel. Unter anderem führte er die von seinem Vorgänger Heinrich Heydemann begonnenen Hallischen Winckelmannsprogramme fort, die als archäologische Publikationsreihe zu Ehren des berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann aufgelegt wurden. Darüber hinaus veröffentlichte er vier Bände über römische Sarkophage, eine Anleitung zur Deutung klassischer Bildwerke, ein Handbuch zur antiken Mythologie und zahlreiche Aufsätze zu verschiedenen archäologischen und philologischen Themen.

Unter den Bürgern der Stadtgesellschaft machte Robert als Freund des Theaters von sich reden. Seine Liebe zur Bühne spielte früh eine große Rolle, wurde sie doch bereits während seiner Gymnasialzeit in Wiesbaden geweckt. In Bad Lauchstädt brachte Robert von ihm selbst übersetzte und bearbeitete Komödien des Menander sowie ein Satyrspiel des Sophokles unter dem Titel „Spürhunde“ zur neuzeitlichen Uraufführung. Darüber hinaus rief er in dem kleinen Ort bei Halle die „Lauchstädter Festspiele“ ins Leben und sorgte fortan für originalgetreue Aufführungen von Goethe-Stücken und antiken Stoffen.

An der Universität schätzte man Robert nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Organisator. Als er in den Jahren 1906/07 das Amt des Rektors innehatte, beherrschte er auch die Klaviatur der Administration. Er versuchte, die historisch gewachsenen Rechte preußischer Hochschulen vor dem Zugriff des Staates zu schützen. Und selbst, wenn ihm das nicht wirklich gelang, so ist doch bemerkenswert, mit welchen Mitteln Robert seine Ziele durchzusetzen versuchte. In Halle initiierte er dazu eine regelmäßig abgehaltene Konferenz von Vertretern aller Hochschulen, die in Sinn und Ziel bereits der heutigen Institution der Hochschulrektorenkonferenz ähnelte.

Von seiner Arbeit konnte sich Carl Robert offenbar nur schwer trennen. Diese Vermutung legt zumindest seine Personalakte nahe, die sich heute im Universitätsarchiv befindet. Darin ist nachzulesen, dass er eine Altersgrenze für Professoren, die bei 70 Jahren liegen sollte, ablehnte. In dieser Angelegenheit schrieb er am 6. Januar 1920, kurz vor seinem 70. Geburtstag, an den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin, „Die wissenschaftliche Laufbahn eines Gelehrten lässt sich nicht bei einem bestimmten Lebensjahre gleichsam mit dem Messer abschneiden.“

Nur wenige Tage später, am 28. Januar 1920, beeilte sich der zuständige Kurator der vereinigten Friedrichs-Universität ebenfalls an den Minister in Berlin zu schreiben und zu empfehlen, Robert nicht zum Bleiben zu bewegen. Zwar gehöre dieser „bis heute zu den Zierden unserer Universität“, trotzdem lasse sich erkennen, „dass die von ihm vertretene streng philologisch geartete archäologische Richtung als Einseitigkeit empfunden wird und bei den Studierenden nicht mehr den früheren Anklang findet.“

Carl Robert starb am 17. Januar 1922, kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Universitätsdienst. Seine einstige Wirkungsstätte wurde posthum nach ihm benannt. Auch heute noch gehört das Robertinum zu den prägendsten Gebäuden auf dem Universitätsplatz, von dem aus man einen schönen Blick über das gesamte Areal erhaschen kann. Das Archäologische Museum plant - voraussichtlich für Dezember - eine Ausstellung zur Würdigung Roberts.

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