Auditive Wahrnehmung im Fokus: Gesellschaft für Musiktheorie tagt an MLU

Vom 2. bis zum 4. Oktober diskutierten Expertinnen und Experten aus der Musiktheorie und Musikpädagogik, dazu auch Komponistinnen und Komponisten anlässlich des 26. Jahreskongresses der Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH) spezielle Fragen der auditiven Wahrnehmung und der Kompositionspädagogik mit Kindern und Jugendlichen. Versammelt hatten sich am Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften, Abt. Musikpädagogik, insgesamt 280 Gäste, unter ihnen zahlreiche Lehrende von Musikhochschulen und Universitäten wie auch etliche Studierende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aus Norwegen, Polen, Italien und Irland und sogar aus den USA und Kanada.
„Unser Kongress versteht sich als Gemeinschafts-Kunstwerk“, so Dr. Christine Klein in ihren Begrüßungsworten im Namen der Kongressleitung – gemeinsam mit Prof. Jens Marggraf und Markus Ritzel – und stellvertretend für das gesamte Organisationsteam, das diesen Kongress über mehrere Jahre und mit ausgewiesener Expertise vorbereitet hatte. Gemeint sind die Kolleginnen und Kollegen der Fachgemeinschaft Hörerziehung-Gehörbildung, einer Arbeitsgemeinschaft der GMTH, deren kollektiver Energie und Begeisterung es zu verdanken ist, dass aus einer zündenden Idee das Programm eines ganzen Kongresses sogar länderübergreifend - zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz - entwickelt werden konnte. Auf Grund der vielfältigen Vernetzungen zur Fachgemeinschaft Hörerziehung in der GMTH, zur Musikstadt Halle mit ihrer reichen kompositorischen Landschaft, bis hin zur Komponistenklasse Klasse haben es die Hallenser Kolleginnen und Kollegen gewagt, die GMTH nach Halle einzuladen.
Mit dem Titel „Das Wunder des Hörens. Musikalisches Hören zwischen Kunstanspruch, Kreativität und Wissenschaft“ widmete sich erstmals ein gesamter Musiktheorie-Kongress der auditiven Wahrnehmung aus ganz verschiedenen wissenschaftlichen, künstlerischen und musikpädagogischen Perspektiven. Die thematische Auseinandersetzung erfolgte in vier Sektionen, denen jeweils ausgewiesene Expertinnen und Experten vorstanden und deren inhaltliche und präzise Schärfung vornahmen: Dr. Lutz Felbick (Aachen), Prof. Dr. Gerhard Luchterhandt (Heidelberg/Basel), Prof. Dr. Peter Schneider (Graz/Heidelberg) und Prof. Dr. Juliane Brandes (Salzburg).
Referiert und diskutiert wurde in den folgenden Sektionen: Musikalische Wahrnehmung und Gestalt (Sektion 1), Musikalische Wahrnehmung aus Sicht der Neuro- und Kognitionswissenschaften sowie der Psychoakustik (Sektion 2), Musikpädagogische Ansätze zwischen Musiktheorie, Gehörbildung und Kunstanspruch (Sektion 3) sowie Freie Themen (Sektion 4), die an den verschiedenen Kongress-Standorten angeboten wurden: im Konzertsaal und auf der Studiobühne der Abteilung Musikpädagogik im Händel-Haus-Karree, ebenso in den Franckeschen Stiftungen, in der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik sowie im Kammermusiksaal des Händel-Hauses.
Diskutiert wurden an den drei inhaltsreichen Tagen vor allem aktuelle Fragen zur komplexen musikalischen Wahrnehmung und damit im Zusammenhang aktuelle Positionsbestimmungen des Faches Hörerziehung als Kernfach musikalischer Erziehung sowie auch Themen aus dem Bereich der Kompositionspädagogik mit Kindern und Jugendlichen.
Dass ein vertiefter Fachdiskurs auch im internationalen Vergleich stattfinden konnte, ist nicht zuletzt den Lectures und Workshops zweier Fachkolleginnen und Fachkollegen zu verdanken, die eigens aus Norwegen und aus Polen angereist waren. Die norwegische Professorin Emerita für Ear Training und Aural Skills Gro Shetelig (Oslo) begeisterte das Auditorium mit ihrem Practical Ear Training „Ears before Eyes” ebenso der polnische Kollege Piotr Jędrzejczyk (Gdansk) mit seinem Workshop zu „Contemporary Perspektives of Ear Training“.
Die Spezifik des halleschen Veranstaltungsortes fand ihren Ausdruck im Roundtable „Geöffnete Ohren“, der anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Komponistenklasse Halle unter Mitwirkung von Prof. Jens Marggraf (Halle), Karoline Schulz (Halle), Johannes Korndörfer (Dresden) und Prof. Matthias Schlothfeldt (Essen) stattfand und sich mit kompositionspädagogischen Fragen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auseinandersetzte.
Last but not least trugen mehr als 80 Referentinnen und Referenten mit 55 Einzelvorträgen, drei Plenumsveranstaltungen, sechs Vortragspanels, sechs Workshops, vier Buchpräsentationen, vier Angebotenen zur Praktischen Gehörbildung, drei Lectures, einem Diskussionsforum, einer Disputation und einem Escape-Room zum Gelingen des Kongresses maßgeblich bei. Zum Begleitprogramm gehörte natürlich auch Musik: ein Konzert mit dem Stadtsingechor Halle und dem GewandhausKinderchor unter Leitung von Clemens Flämig und Frank-Steffen Elster anlässlich der Preisverleihungen zum 15. Künstlerischen Wettbewerb der GMTH 2026 und zum 2. Richard-Strauss-Wettbewerb 2026. Zum Thema „Natur und Dank“ wurden die prämierten Kompositionen der Nachwuchskomponisten von beiden Chören zum Klingen gebracht, ergänzt durch Bearbeitungen von Liedern Franz Schuberts und Robert Schumanns. Eingeladen waren die Kongressteilnehmenden auch zum Musiktheaterprojekt „Luca und Sam“ der Komponistenklasse Halle in Kooperation mit der Oper Halle. Weitere Preisverleihungen bezogen sich auf die wissenschaftlichen Wettbewerbe der GMTH, so auf den 16. Aufsatzwettbewerb und auf den Hans-Zender-Wettbewerb 2026.
Im Rückblick auf den reichhaltigen Kongress gilt unser Dank allen Beteiligten, den Beitragenden wie den Zuhörenden, aber auch all denjenigen, die die Realisierung dieses Kongresses organisatorisch ermöglicht haben: den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rektorats, der Verwaltung und natürlich der Abteilung Musikpädagogik. Wir danken den Musikerinnen und Musikern sowie allen Studierenden, die unseren Kongress unterstützend begleitet haben, wir danken den fördernden und unterstützenden Institutionen, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, unserer Universität und unserem Förderverein PRO MUSICA, last but not least der Gesellschaft für Musiktheorie.