Kohleausstieg 2038: Wie lässt sich der Wandel neu denken?

02.07.2021 von Katrin Löwe in Wissenschaft, Forschung
Mit einer ersten öffentlichen Vorstellung ist an der Uni das neue Institut für Strukturwandel und Nachhaltigkeit am Donnerstag in seine dreijährige Gründungsphase gestartet. Zum gleichzeitigen Auftakt einer Vortrags- und Diskussionsreihe unter dem Titel „Post-fossile Zukünfte: Zusammenhalt und Wandel“ war Marco Wanderwitz, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, zu Gast. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff hielt ein Grußwort.
Staatssekretär Marco Wanderwitz sprach in der Auftaktveranstaltung des Instituts für Strukturwandel und Nachhaltigkeit.
Staatssekretär Marco Wanderwitz sprach in der Auftaktveranstaltung des Instituts für Strukturwandel und Nachhaltigkeit. (Foto: Markus Scholz)

„Wir glauben, dass Wandel etwas ist, was wir nochmal ganz von vorn neu denken müssen“, sagte Prof. Dr. Jonathan Everts während der Auftaktveranstaltung in der Aula des Löwengebäudes. Der Humangeograph gehört zum Direktorium des neuen Instituts, das den Strukturwandel, welchen aktuelle Transformationen wie Kohleausstieg und Energiewende mit sich bringen, sowohl in Mitteldeutschland als auch in Deutschland sowie bei vergleichbaren Prozessen in anderen Regionen der Welt untersuchen, beratend begleiten und gestalten soll.

Für die neuen Bundesländer sei dieser Wandel eine besondere Herausforderung, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg seien von ihm stark betroffen, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff in seinem aus Magdeburg übertragenen Grußwort. „Es ist gut, dass wir die Institutsgründung jetzt verkünden können – als Signal in die Region hinein, aber auch als Signal in die Welt.“ Marco Wanderwitz, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, betonte, dass die Energiewende wenige Regionen so sehr treffe wie die deutschen Braunkohlenreviere. Strukturwandel sei oft mit Ängsten verbunden, vielen Menschen stecke der Wandel der 1990er und frühen 2000er Jahre noch in den Knochen. „Jetzt haben wir uns vorgenommen, dass dieser Strukturwandel in der Braunkohle besser gelingt“, so Wanderwitz. Da es kein Patentrezept gebe, sei die wissenschaftliche Begleitung so wichtig.

Dafür, so Everts abschließend, seien dem Institut noch einmal drei wichtige Punkte mit auf den Weg gegeben worden. Der erste: Es gehe um Menschen. Der zweite: „Wir müssen schielen lernen und zwar nach hinten und nach vorne gleichzeitig.“ Wenn man über Zukunft und Zukünfte philosophiere, dürfe man nicht vergessen, wo man stehe und wo man hergekommen sei. Und drittens gehe es darum, Kreativität zu entwickeln und zu fördern.

In der zweistündigen Veranstaltung, die live auf YouTube übertragen wurde, hat das Institut sich zum ersten Mal öffentlich vorgestellt – inklusive seiner Forschungsschwerpunkte. Interdisziplinär soll an den Komplexen „Energie- und Ressourcenstrukturen“, „Post-fossile Demokratien“ und „NaturGesellschaften“ gearbeitet werden. Sie beinhalten zum Beispiel Fragen nach sozialen und kulturellen Prozessen neben den geopolitischen und ökonomischen, nach Ressourcen- und Energiegerechtigkeit und der Teilhabe der Menschen, aber auch Fragen von Biodiversität und Nachhaltigkeit in Bergbaufolgelandschaften. Dafür sollen in der dreijährigen Gründungsphase Partnerschaften mit verschiedenen Akteuren in der Region des „Mitteldeutschen Reviers“ und ein europaweites Netzwerk aufgebaut werden, entstehen soll zudem ein digitales Dokumentationszentrum Strukturwandel, das Forschungsdaten teilweise auch öffentlich zur Verfügung stellt.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde im Universitätsmuseum die Ausstellung „Unser Revier. Mitteldeutschland im Wandel“ eröffnet. Sie vermittelt mit Objekten aus den wissenschaftlichen Sammlungen der Universität, der Bergbaukultur sowie künstlerischen Werken über 200 Jahre Braunkohlennutzung in der Region sowie den damit einhergehenden wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Wandel. Zu der von Dr. Dirk Schaal kuratierten Sonderausstellung haben auch der hallesche Künstler Moritz Götze mit einem eigens angefertigten Werk sowie die Moritzburg und zahlreiche Fotografen mit Leihgaben beigetragen. Geöffnet ist sie bis 30. November.

Die Webseite des Instituts:  https://strukturwandel.uni-halle.de/

Die Veranstaltung zum Nachschauen:

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Strukturwandel

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