Demokratie und Bürgerrechte: Uni-Archiv lädt zum Tag der Archive ein

28.02.2018 von Friederike Stecklum in Varia
Der bundesweite Tag der Archive widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Demokratie und Bürgerrechte“. Auch die Archive der Stadt Halle tragen am Samstag, 3. März, mit eindrucksvollen Exponaten, spannenden Vorträgen und Führungen dazu bei. Gemeinsam präsentieren sie ihre Archivalien an einem zentralen Ort: Dem Universitätsarchiv der Uni Halle, das in seine im Sommer 2017 neu eröffneten Räumlichkeiten einlädt.

Das Universitätsarchiv beleuchtet das Veranstaltungsthema aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. So zeigt es zeigt Exponate, die den Kampf um Demokratie und Bürgerrechte illustrieren. Dazu gehört ein Auszug aus den Karlsbader Beschlüssen von 1819, der die Einsetzung eines außerordentlichen Regierungsbevollmächtigten vorsieht. Seine Aufgabe war es, Professoren und Studierende zu überwachen. Erst im Verlauf der Märzrevolution 1848 wurden die Beschlüsse aufgehoben.

Der Matrikeleintrag der ersten Studentin an der Uni Halle
Der Matrikeleintrag der ersten Studentin an der Uni Halle
(Foto: Friederike Stecklum)

In puncto Bürgerrechte gab es Anfang des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Neuerung: Frauen durften erstmalig an der Universität Halle studieren. Dies wurde am 18. August 1908 offiziell mit einem Ministerialerlass beschlossen. Dieser Erlass wird ebenso wie der Matrikeleintrag der ersten Studentin an der Universität Halle Gertrud Küster gezeigt.

Dem gegenüber stehen Archivalien aus der DDR, die die Unterdrückung von Demokratie und Bürgerrechten verdeutlichen. An der Uni Halle gab es eine Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF), an der Kinder aus Arbeiterklassen auf ein Studium vorbereitet wurden. 1952 fand an der ABF eine groß angelegte politische Säuberungsaktion statt: 45 Studierende wurden wegen vorgeblich unmoralischen Verhaltens, politischer Unzuverlässigkeit oder politisch destruktiver Tätigkeit entlassen. Ausgestellt werden Auszüge aus den Verhörprotokollen der Studierenden.

Außerdem zeigt ein Foto von 1965 Studierende bei einem Ernteeinsatz. Es erinnert an die Denunziation von Studierenden, die bei einem Ernteeinsatz der Landwirtschaftlichen Produktion das vom Staat verbotene Deutschlandlied sangen. Dieses politische Vergehen meldete das Rektorat am 22. Dezember 1965 an das Staatssekretariat für Hoch-und Fachschulwesen.

Im Universitätsarchiv ist zudem das Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen mit einem Beratungsstand vor Ort.

Tag der Archive am Samstag, 3. März:
Universitätsarchiv der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg
Dachritzstr. 12
06108 Halle (Saale)

Vorträge im Uniarchiv

11 Uhr: Dr. Michael Stock, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: "Ursprünge und Schauplätze der Demokratie"

11.30 Uhr: Ralf Rodewald, Stadtarchiv Halle: "Erscheinungsformen der Einschränkung und der Diskriminierung von Personengruppen in den Akten der Abteilungen für Innere Angelegenheiten"

Führungen

11 Uhr: Bibliothek der Leopoldina, August-Bebel-Straße 50a, 06108 Halle (Saale)
12 Uhr: Universitätsarchiv, Dachritzstr. 12, 06108 Halle (Saale)
12 Uhr: Bibliothek des Händelhauses, Große Nikolaistraße 5, 06108 Halle (Saale)
14.30 Uhr: Stadtarchiv Halle, Rathausstraße 1, 06108 Halle (Saale)

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